Dienstag, 4. November 2014

Selbsthilfegruppen: Meine Erfahrungen

Ich war bereits in drei verschiedenen Selbsthilfegruppen zur Sozialphobie. In der ersten, die war direkt vor Ort, da fühlte ich mich mehr und mehr unwohl. Ich hatte den Eindruck, ich passe gar nicht in die Gruppe; gerade seit dem ein Mitglied den Gruppenname anzweifelte :o. Weiterhin war ich alleine unter zwei deutlich älteren Männern.

In der zweiten Gruppe, die war weiter weg, da war die Teilnahme mehr und mehr unzuverlässig und meine Befürchtung, ich könnte irgendwann einmal für nichts eine halbe Stunde gefahren sein, war zu groß, als sie noch weiterhin zu besuchen; weiterhin hatte ich zu dem Zeitpunkt eine berufliche Reha angefangen, die mir zu viel Kraft nahm, um am Abend nochmals zur SHG zu fahren. Zudem sagte mir der Ort/ die Fahrstrecke nicht zu. Später löste sie sich auch komplett auf.

In der letzten, die war auch etwa eine halbe Stunde entfernt, aber der Fahrtweg und der Ort waren für mich bekannter und angenehmer, war ich auch nur ein paar Monate. Anfangs fand ich es noch okay. Auch wenn ich wieder einmal mit Abstand die Jüngste dort war; aber immerhin war die Geschlechtsaufteilung zumindest zu Beginn gut gemischt. Mit der Zeit kam aber auch dort immer mehr Unwohlsein auf; die Teilnahme einiger Mitglieder wurde immer unzuverlässiger bis sie so gut wie gar nicht mehr kamen. Es kamen zudem immer wieder ein paar neue Gesichter dazu; natürlich (bis auf eine Ausnahme) alle wieder deutlich älter als ich und männlich. Weiterhin war es stets ein offenes Ende und wir saßen an einigen Tagen bis zu ca. 3 Stunden zusammen. Das ist mir einfach zu viel. Außerdem kamen meine Vorschläge zur Gruppengestaltung nicht wirklich an. Und dann mussten wir auch noch die Räumlichkeiten wechseln; erst einmal blieben wir im selben Ort... dies sollte aber nicht von Dauer sein. In diesen neuen Räumlichkeiten fühlte ich mich aber schon nicht wohl; auch nicht in der Umgebung, wo diese lagen. Das alles machte es für mich immer schwieriger, dorthin zu fahren. Und nach einem Klinikaufenthalt Ende letzten Jahres konnte ich mich nicht mehr überwinden, dorthin zu fahren. Weiterhin ist die Gruppe nun in ihren endgültig neuen Räumlichkeiten in einem Nachbarort zum vorherigen Standort. Dort kenne ich mich so gar nicht aus; auch wenn der Fahrtweg ähnlich sein wird, wie zuvor... aber es ist in einem Ort, in dem ich noch nie wirklich war.

Fazit: Bisher lief es noch in keiner Selbsthilfegruppe, in der ich war, nach meinen Vorstellungen ab. War ich einmal versucht, meine Vorschläge mit einzubringen, stieß ich mind. bei einer Person auf Widerstand, die diesen eben auch deutlich kund gab. Ich glaube, ich habe da nicht die richtigen Vorstellungen einer Selbsthilfegruppe. Am besten hat es mir bisher noch in der dritten Selbsthilfegruppe gefallen; zumindest anfangs... wenn da nicht ein Mitglied wäre, welches öfter einmal irgendwelche merkwürdigen alternativen Heilmethoden weitergeben möchte (Reiki und so ein Kram); und vor allem: Wenn dieser nicht stets gegen alle meine Vorschläge ist, wie man so eine Gruppensitzung gestalten könnte.

Ich bin froh, mich Anfang diesen Jahres auf das Angebot meines Therapeuten zur Teilnahme an seiner Gruppentherapie eingelassen zu haben; gesagt zu haben, dass ich es einmal ausprobiere. Und es ist echt völlig in Ordnung bei ihm. Bei ihm ist die Gruppentherapie quasi wie eine Einzelsitzung in der Gruppe. Klar, ist dies für mich auch mit viel Anstrengung bzw. Angst und Unsicherheit verbunden; aber das ist eine Einzelsitzung ebenso. ... Aber so in diese Richtung ging meine bisherige Vorstellung von einer Selbsthilfegruppe auch; da wäre für mich vielleicht eher noch so eine Art Selbsthilfegruppe etwas, die begleitend zu einer Therapie stattfindet. So, wie es in der Klinik in Bad Bramstedt zu jeder Stationsgruppe mit Therapeut noch ein Gruppentreffen ohne Therapeut gab, in der gemeinsam ein Thema besprochen wurde oder es um den Gruppenzusammenhalt/ -aktivität ging, in dem etwas gemeinsam geplant und gemacht wurde.

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Weitere Dinge, die ich bisher in meiner Therapie gelernt habe.

- Die Formulierung ist wichtig: Wir versetzen uns in/ haben ein Gefühl; wir bekommen es nicht, denn Gefühle werden durch unsere eigenen Gedanken beeinflusst. Medikamente,  Drogen, u. ä. können diesen Vorgang lediglich positiv oder negativ beeinflussen. In der kognitiven Verhaltenstherapie konzentrieren wir uns jedoch nur auf die Gefühle, die wir durch unsere Gedanken beeinflussen können.

- Es gibt neun Grundgefühle, die jedoch jeweils in ihrer Intensität variieren können. Dafür gibt es auch wieder einige Begriffe. Der Einfachheit und dem besseren Verständnis wegen stufen wir die neun Grundgefühle jedoch auf einer Skala von 1 - 10 ein. 1 ist hierbei sehr gering und 10 sehr stark vorhanden. Die neun Gefühle im Einzelnen lauten wie folgt: Freude, Zuneigung (Liebe), Gleichgültigkeit, Abneigung (Hass, Ekel), Angst, Ärger, Trauer, Scham, Niedergeschlagenheit.

- "Von nichts kommt nichts." & "Sowas kommt von sowas." Diese beiden Sätze sollte ich mir immer dann wieder ins Gedächtnis rufen, wenn ich wieder einmal zu stark in meiner unangemessenen Gedankenspirale versinke und mich somit selbst blockiere.

- Psychische Probleme sind auch immer emotionale Probleme; denn, wie bereits geschrieben, sind wir für unsere Gefühle aufgrund unserer eigenen gedanklichen Bewertungen einer Situation selbst verantwortlich. Geschieht dies in einem unkontrollierten und unangemessenen Ausmaß, sprechen wir von einem psychischen oder auch emotionalen Problem.

- Es gibt keine gesellschaftliche Norm, denn jeder einzelne Mensch von uns hat seine ganz eigenen und persönlichen Normen. Es kommt lediglich vor, dass die Mehrheit der Menschheit diegleichen Normen verinnerlicht hat.

- Geht es uns gut, so liegt unsere Angstschwelle höher; also wir versetzen uns nicht so schnell in Angst. Geht es uns hingegen schlecht, liegt unsere Angstschwelle niedriger, weshalb wir uns schneller, und meist auch intensiver, in Angst versetzen.

- Vorfreude ist kritisch, da wir uns bereits über ein noch nicht erhaltenen Gewinn freuen. Erleiden wir nun aber einen Verlust in derselben Situation, so versetzen wir uns umso stärker in Trauer, Ärger oder Niedergeschlagenheit.

- An Äußerungen wie "Keine Ahnung." und "Ich glaube..." erkennt man deutlich meine ausgeprägte Selbstunsicherheit. Der Krankheitsgewinn in dieser Unsicherheit liegt darin, dass ich kaum bis keine Verantwortung für eventuelle Fehlentscheidungen tragen muss. Den Preis, den ich hierfür trage, ist die ständige Unsicherheit und damit erhöhte Anspannung, wenn ich vor Entscheidungen stehe; das raubt Kraft und Zeit.

- Ich und diagnostisch erwähnenswerte histrionische Merkmale? Mein ambulanter Therapeut kann das selbst nicht so genau sagen. Die Klinik hingegen war der Meinung, ich habe diese Merkmale. Ich selbst bin mir da nicht so sicher - vielleicht auch,  weil ich sie selbst nicht so wahrnehme, da sie zu meiner Persönlichkeit gehören. Dies wäre, laut meinem Therapeuten,  dann tatsächlich (diagnostisch erwähnenswert) histrionisch. Zeige ich dieses histrionische Verhalten jedoch nur ab und zu, so wäre es "normal".

Histrionisch bedeutet sich (emotional) theatralisch, dramatisierend verhalten, um so die Aufmerksamkeit, die man sich wünscht, zu bekommen.

Ja, ich wünsche mir oftmals mehr Aufmerksamkeit; insbesondere dann, wenn ich mitbekomme, dass andere mehr Aufmerksamkeit bekommen als ich. Mir steht sie doch (viel mehr) zu. Gleichzeitig habe ich aber auch Angst vor dieser Aufmerksamkeit (bzw. deren vermuteten Folgen), wenn ich sie dann bekomme; da ich dann wiederum denke: "Ich bin es nicht wert, diese Aufmerksamkeit zu bekommen." Ein innerer Zielkonflikt, dieser meine innere Anspannung enorm ansteigen lässt.

Auch fiel mir in den letzten Tagen auf, dass ich oftmals aus einer Mücke einen Elefanten mache.

Hingegen könnte es auch "nur" theatralisch und dramatisierend wirken, wenn ich aufgrund meiner Ängste sehr stark emotional reagiere. Klar zieht das die Aufmerksamkeit auf mich. Wenn ich dann auch noch Zuneigung/ Zuspruch bekomme, fühlt es sich aber auch wieder gut an. Ich habe quasi mein Ziel (Zuneigung) erreicht. Dies wäre vermutlich schon wieder histrionisch veranlagt.

- Nicht die Situation macht das Gefühl, sondern unsere Gedanken (auch: Bewertungen), die wir uns in dieser Situation machen.

Zum Nachdenken: Der Selbstwert

(oder auch: Was ich bereits in der Therapie gelernt habe - zumindest in der Theorie.)

Es gibt kein Selbstwertgefühl, denn unser Selbstwert kann sowohl mit negativen als auch positiven Gefühlen in Verbindung stehen. Werten wir uns auf, so freuen wir uns z. B. über ein bestimmtes Ereignis und fühlen uns deshalb gut. Werten wir uns ab, so haben wir z. B. Angst vor einer Situation, die wir peinlich fänden, und deren vermuteten Folgen und fühlen uns deshalb schlecht. So beruht Scham stets auf einem Selbstwertproblem.

Gefühle hingegen sind entweder stets positiv oder stets negativ; aber sie variieren niemals zwischen ein und derselben dieser beiden Optionen.

Der Selbstwert eines Menschen lässt sich nicht angemessen an einer Sache/ Macke oder Eigenschaft feststellen. Das gesamte "Paket" zählt.

Strebt ihr einen positiven Selbstwert an, so müsst ihr euch doch stets vor einem Selbstwertverlust fürchten. Dies führt euch langfristig ebenso in emotionale Krisen oder gar psychische Probleme, wie ihr sie bereits aufgrund eurer bisherigen stetigen Selbstabwertung (oder -aufwertung) kennt. Und diese unnötigen emotionalen Turbulenzen wollt ihr doch nicht mehr, oder?

Also: Verabschiedet euch von diesem verdammten Selbstwertkonstrukt!

Ein Beispiel: Stellt euch vor, vor euch steht eine super leckere Erdbeertorte. "Aber was ist da!? Eine faule Erdbeere! Das geht gar nicht. Die ganze Torte ist nun hinüber :(." - So die bisherige Denkweise eines Menschen mit Selbstwertproblem.

"Aber dies stimmt doch gar nicht. Entfernt doch dieses eine Stück der Torte und genießt den Rest derselbigen ;)." - So wäre eine angemessene Denkweise, um sich nicht in unnötige emotionale und psychische Probleme zu stürzen.

Natürlich könnt ihr euer Missgeschick, oder weswegen ihr euch auch immer unangemessen auf- oder abwertet, nicht einfach entfernen. Aber ihr könnt lernen, damit anders umzugehen; lernen, dies zu tolerieren oder akzeptieren. Ihr könnt umlernen!

Leider ist dies ein langer Prozess, und erfordert viel Ausdauer und Geduld, aber wenn ihr wirklich wollt, könnt ihr es schaffen! Und auch Rückschläge gehören dazu. Lasst euch von diesen nur nicht entmutigen. Bleibt stark und sucht euch entsprechende Unterstützung, wenn ihr es alleine nicht schafft.

Das Selbstwertproblem ist eine der drei Ursachen, weshalb wir heute unter emotionalen oder gar psychischen Problemen leiden. Und es ist vermutlich das, was die meisten mit sozialen Ängsten und andere psychisch Erkrankte betrifft.

Weiterhin gibt es noch die geringe Frustrationstoleranz, die auch bei mir immer wieder mitschwingt, sowie Probleme aufgrund von existenziellen Befürchtungen (z. B. "Wenn ich das tue, dann sterbe ich.").

Natürlich ist es auch möglich, mehrere dieser Ursachen bei sich zu entlarven. Sieht man ja an meinem  Beispiel: Selbstwertproblem + Probleme aufgrund geringer Frustrationstoleranz.

Dienstag, 30. September 2014

Rückblick: Okt. 2013 bis Sept. 2014

Nun habe ich mal wieder etwa ein Jahr nicht in meinem Blog zu Wort gemeldet. In der Zwischenzeit ist einiges passiert.

So war ich von Ende Oktober 2013 bis Mitte Dezember 2013 erneut in der psychosomatischen Klinik in Bad Bramstedt. Es waren sieben Wochen; eigentlich waren acht Wochen geplant, doch da der Entlassungstag dann genau auf den 24.12. gefallen wäre, und sie da keine Leute entlassen, wurde mir quasi eine Woche geklaut. Ich konnte mich damit einfach nicht anfreunden. Es ärgerte mich stets. Meine Bemühungen um eine Verlängerung um eine (bzw. zwei Wochen) haben nichts gebracht. Ich konnte denen nicht überzeugend vermitteln, warum ich denn noch zwei Wochen länger bräuchte. Dennoch hat mich der Klinikaufenthalt zumindest mehr gefordert, und war somit auch anstrengender, als mein erster Aufenthalt dort. Ich brauchte zwar viele Anstöße und immer wiederkehrende Gespräche, bzgl. des neuen Weges; doch konnte ich mich irgendwie dazu durchringen, z. B. mein Tuch ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr zu tragen. Anfangs war es verdammt schwierig und ich war versucht, mich anderweitig zu verstecken. Ich dachte auch oft daran, es doch wieder anzuziehen. Doch ich blieb stark, und ließ es sein; außer wenn ich draußen unterwegs war, denn dort war es kalt bis kühl. Zu solchen Zwecken war/ ist es erlaubt. Auch konnte ich das Tuch nachhaltig im Alltag ablegen. So trug ich diesen Sommer zum ersten Mal wieder kein Tuch. Weiterhin wurde ich medikamentös umgestellt. Auch hier konnte ich zumindest bzgl. Quetiapin eine deutliche Unterstützung merken; bereits wenige Tage nach der Einnahme in der Klinik hatte ich schon den Eindruck, als ob ich eine Situation nur so gut geschafft habe, weil ich dieses Medikament bekomme. Und auch im Alltag konnte ich in einigen Situationen feststellen, dass ich deutlich ruhiger war und nicht so schnell ins Schwitzen kam, wie ich es sonst von mir kannte.

Seit Februar 2014 habe ich mich bei meinem ambulanten Therapeuten auf eine Gruppentherapie eingelassen. Es war gerade anfangs mit sehr viel Unsicherheit und Befürchtungen verbunden, doch durch langsames heranfragen und der Absicherung, dass ich jederzeit auch zurück zu reinen Einzeltherapie wechseln kann, habe ich diesen Schritt gewagt. Und ich wurde nicht enttäuscht. Bei ihm ist die Gruppentherapie quasi auch wie ein Einzel; nur eben in der Gruppe. Wir sind insgesamt vier Patienten. Die Sitzung dauert 100 Minuten. Jeder Patient bekommt seine Zeit und kann da sein Thema/ ABC(Z) besprechen. Die anderen Patienten können ggf. dadurch von den anderen noch lernen.

Im weiteren bin ich weiterhin noch durchgängig arbeitsunfähig. Ich plane jedoch, in eine Tagesstätte zu gehen. Bereits im Frühjahr hatte ich erste Probetage. Es ist leider noch ein elendiger Weg durch den Behördendschungel, um hoffentlich auch die offiziellen Voraussetzungen für diese Tagesstätte zu erfüllen. So musste ich nun einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente stellen. Dies fiel mir gar nicht so leicht, mich für diesen Schritt zu entscheiden. Doch ich tat es und sag(t)e mir: "Ich tue es, damit ich in die Tagesstätte kann. Ich versuche das Wort "Rente" einfach auszublenden." In der Wartezeit kann ich jedoch weiterhin noch alle 14 Tage zu einem Spielenachmittag vorbeikommen.

Dienstag, 10. September 2013

Stationärer Klinikaufenthalt/ Vorgespräch

Ich will "klettern". Ich weiß aber nicht, ob ich es schaffe. Ich habe Angst, es nicht zu schaffen :'(. Ich weiß nicht, ob ich "klettern" kann. Ich will es aber versuchen. Ich will es schaffen.

(Hatte heute ein Vorgespräch in einer psychosomatischen Klinik.)

Dienstag, 13. August 2013

Rückblick

Seit April/ Mai 2013 konnte ich meine Therapie nun fortsetzen; nachdem meine vorige Therapeutin mich Ende letzten Jahres aufgrund ihrer "beruflichen Umorientierung" an ihren Kollegen übergab. Anfangs war ich sehr schockiert; doch mittlerweile bin ich sehr zufrieden mit diesem Wechsel. Ich denke, es ist gut so wie es gekommen ist.

Denn mein jetziger Therapeut hat einen etwas anderen Ansatz, bei dem ich denke, dass es mich eher weiterbringen kann. Er beginnt mit dem "Erforschen" der Ursachen meiner sozialen Ängste; um diese Ursachen im späteren Verlauf dann zu ändern. Er arbeitet nach dem Buch "Im Gefühlsdschungel - Emotionale Krisen verstehen und bewältigen". Nach seiner Empfehlung habe ich mich dazu entschlossen, es mir zu kaufen und ich bereue es bis jetzt keineswegs. Zumindest als Therapiebegleitbuch ist es sehr gut. Er hat sogar bei dem Autor dieses Buches gelernt :).

Das Erforschen meiner gedanklichen Ursachen lässt mich immer wieder an meine Grenzen stoßen und sehr unangenehme Gefühle/ Gedanken in mir aufkeimen; mit denen ich keinen vernünftigen Umgang kenne/ finde.

Im Mai habe ich mich für einen erneuten stationären Aufenthalt in der Schön Klinik Bad Bramstedt angemeldet. Ich hoffe, ich werde im September/ Oktober dort aufgenommen.

Die berufliche Reha-Maßnahme habe ich in Absprache zum 31. Mai vorerst beendet; da es nicht so lief... seitdem bin ich vorerst krankgeschrieben; denn sonst würde es wohl mit dem Jobcenter Schwierigkeiten geben.

Die letzten Tage bin ich außerdem öfter eher depressiv gestimmt und zudem auch sehr schnell frustriert/ gereizt.

Mittwoch, 30. Januar 2013

Gefühle sind doof...

Ich komme immer mehr aus meiner eigenen Gefühlstaubheit heraus. Es ist eigentlich ein Fortschritt. Ich spüre in letzter Zeit immer häufiger positive Gefühle. Ich würde gerne etwas unternehmen. Spaß am Leben haben. Die schönen Dinge genießen können. Sowohl alleine, als auch mit einer lieben Person an meiner Seite.

Doch sobald ich daran denke, alleine rauszugehen und z. B. einen kleinen Spaziergang zu machen oder mich in ein Café zu setzen oder mit einem Kaffee oder Tee mich ans Wasser zu setzen, zieht sich eine innere Mauer von Unwohlsein auf. Ich fühle mich dabei nicht wohl, alleine unterwegs zu sein. Ich könnte die Dinge dann gar nicht mehr wirklich genießen, die ich mir in meinen Gedanken so schön ausmale. Ständig der Gedanke im Hintergrund, was wohl die anderen von mir denken, wenn ich alleine durch die Gegend "irre". Mein Blick nur auf mich, mein Inneres, gerichtet. Ich fühle mich dabei irgendwie so "blöd". So bleibe ich lieber gleich in meiner "sicheren" Wohnung. - So wird aus einer motivierten Stimmung, schnell eine eher depressive Stimmung.

Aber ebenso wenig kann ich es wirklich genießen, wenn ich mit z. B. meiner guten Bekannten unterwegs bin. Ich kann einfach nicht aus mir herauskommen.

Sobald ich vielleicht doch einmal etwas mehr rede (geredet habe) als gewöhnlich, kommt in mir auch gleich wieder ein 'schlechtes Gewissen' auf: "Hoffentlich habe ich jetzt nicht zu viel geredet." (--> Angst vor Nähe, Angst vor Erfolgen --> Angst vor dem Alleinsein/ Verlassenwerden, Angst keine Unterstützung mehr zu bekommen/ alleine nicht zurechtzukommen)

Ich glaube, wenn ich nicht so immens gehemmt, unsicher und ängstlich wäre, wäre ich ein lebensfroher, unternehmenslustiger, humorvoller Mensch, der gerne auch mal einfach nur "verrückt" ist.

Freitag, 4. Januar 2013

Selbsthilfegruppe

Heute habe ich es endlich wieder einmal geschafft pünktlich zu sein. Ich war sogar 8 Minuten zu früh da; doch traute ich mich nicht in das Gebäude hinein, da dort einige Leute saßen, was wie eine Art Versammlung von Mitarbeitern aussah. So wartete ich, bis noch jemand kam und wir gingen gemeinsam hinein.

Während sich der andere noch umdrehte, fast stehen blieb, wollte ich nur schnellstmöglich da durch, weshalb ich ihn letztendlich überholte um schnell in dem Seitengang zu verschwinden. Ich guckte auch nicht zu den Leuten.

Nach und nach kamen auch die anderen drei Mitglieder. So waren wir heute seit langem mal wieder vollständig.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten die Runde zu beginnen kam es zu einem kurzen Rückblick auf die Feiertage und wie wir sie verbrachten und dann guckten wir uns nur noch fragend an, was wir nun tun sollten. Eine hatte ein Spiel dabei... doch da traten bzgl. der Mitspielerzahl erst einmal kleine Probleme auf. So traute ich mich doch noch meinen Vorschlag ("Was ist in der Gruppe wichtig (und gut)?") einzubringen. Doch schien die Begeisterung darüber sich in Grenzen zu halten. Ich hatte das Gefühl, ich bin in diesem Moment, als ich es aussprach, knallrot angelaufen. Zumindest überströmte mich in meinem Gesicht und an meinen Ohren ein sehr starkes Hitzegefühl.

So spielten wir letztendlich doch das Spiel und zu meinem Vorschlag kam es nicht mehr bzw. ich traute mich nicht mehr, es erneut anzusprechen.

Ich habe im Allgemeinen das Gefühl, als wenn die Mehrheit weitestgehend gegen meine Vorschläge ist. Ich scheine mit meinen Vorstellungen von so einer Gruppe dort nicht hinein zu passen. Dennoch würde ich dies gerne noch einmal anhand dieser kleinen "Übung" genauer feststellen. Vielleicht schaffe ich es ja beim nächsten Mal erneut anzusprechen und durchzusetzen.

Wenn sich dann herausstellt, dass die anderen alle eine andere Vorstellung von dieser Gruppe haben, dann bin ich wohl in der falschen Gruppe und ich sollte mir eine neue suchen; bzw. vielleicht wäre dann eine Gruppentherapie (neben der Einzeltherapie) noch sinnvoll.

Btw: Und wieder einmal saßen wir für mein Gefühl viel zu lange zusammen. Wir trafen uns um 18:30 Uhr und beendeten das Treffen gegen 21:30 Uhr. Drei Stunden sind für mich einfach viel zu lange. Mir würden 1 1/2 Stunden vollkommen ausreichen.

Sonntag, 30. Dezember 2012

Es hat "Klick" gemacht.

Anfang Dezember begann ich in der beruflichen Reha-Maßnahme mich mit Unterstützung meiner dortigen vertretenden Ansprechpartnerin mit meinen Stärken und Fähigkeiten zu beschäftigen. Hieraus resultierte letztendlich eine konkrete Zielsetzung.

Seit diesem Punkt scheint es in meinem Kopf „Klick gemacht zu haben“, denn in dieser Zeit ging ich u. a. auch zum ersten Mal mit einem guten Gefühl in den Feierabend. Weiterhin steigerte die intensive Arbeit an den Zielen meine Motivation. Ich fühle mich im Allgemeinen besser; wenn auch noch deutliche Schwierigkeiten (in der Umsetzung) vorhanden sind. Diese stehen meist jedoch mehr im Hintergrund. Mein Blick richtet sich nun mehr auf die (kleinen) Erfolge.

Dennoch ist es ein enormer Einschlag, wenn ich frei habe. Bereits die Wochenenden sind sehr schwierig. Der Urlaub umso schwieriger. Hier merke ich, dass ich noch schnell in eine depressive Stimmungslage falle, woraufhin auch immer mal wieder destruktive Gedanken aufkommen.

Jetzt, in meinem Weihnachtsurlaub, habe ich mich jedoch versucht selbst mit Zielen für mein Privatleben zu beschäftigen. Wider Erwarten klappte dies relativ gut. Doch bleibt es bislang meist „nur“ bei den Gedanken. Für die Umsetzung brauche ich, so denke ich, zum größten Teil noch Unterstützung.

Freitag, 28. Dezember 2012

Sehnsucht nach Gefühlstaubheit

Ich glaube, hätte ich nicht so einen großen "Respekt" vor Alkohol, wäre ich sehr gefährdet mind. ein deutliches Alkoholproblem zu bekommen. Meine zeitweiligen Gedanken hier sind: "Trinken bis zur Bewusstlosigkeit; oder zumindest kurz davor." "Einfach alles* (im Alkohol) ertränken."
*meine Gefühle

Als ich mir Gedanken zu meiner Silvesterplanung machte, sah ich mich vor'm Fernseher auf der Couch sitzen; um mich herum div. Chipstüten verteilt und in der Hand (m)eine Flasche Sekt (alkoholfrei). Ich nannte es "Fake-Besäufnis".

Statt Alkohol sind Chips (o. ä.) und Zucker mein Seelentröster; wobei dies auch meist nicht wirklich erfüllend ist. So esse ich immer weiter und weiter. In Gedanken würde ich dies manchmal am liebsten bis zum Erbrechen (zur Übelkeit) tun.

Gerade an so "Feiertagen", wo üblicherweise die übrige Gesellschaft sich mit Freunden/ Bekannten/ Verwandten/ Familie trifft und gemeinsam "feiert".

Dieses Jahr Silvester bin ich zum ersten Mal alleine und da steigt das Bedürfnis nach "Gefühlstaubheit" sehr. Dementsprechend kommen solch extremen Gedanken (s. o.) wieder zum Vorschein.

Da meine große Schwester dieses Jahr verschlafen will und sich für mich keine andere, passende Alternative ergab, war ich leider dazu "gezwungen", die Zeit alleine zu verbringen.

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Der abrupte Wandel meiner Stimmung

Es war bitterkalt. Auf dem Heimweg freute ich mich schon auf einen schönen warmen Kakao mit Sahne.

Doch als ich zu Hause ankam, geriet es in Vergessenheit und dann hatte ich auch keine Lust mehr darauf. Stattdessen gab es "nur" einen warmen Chai-Schoko.

Ich hatte u. a. keine Motivation mehr, mir solch einen Kakao zuzubereiten.

Zu Beginn lenkten mich die Katzen zu sehr ab und dann schrieb ich noch kurz auf, was ich heute tat (für den erforderlichen Wochenbericht); dadurch geriet mein Vorhaben in Vergessenheit und ich verlor zusätzlich die Motivation zur (minimalen) Zubereitung der köstlichen Leckerei.

Allgemein verspüre ich in den letzten Tagen, wenn ich wieder zu Hause bin, eine gewisse Lust- und Antriebslosigkeit.

Ich glaube, einige Menschen (hier: meine derzeitige Bezugsperson der Reha-Maßnahme) geben mir gerade positive Energie. Diese fehlt mir, sobald ich alleine in meinen eigenen vier Wänden sitze.

Dienstag, 20. November 2012

Depressionen in der Kindheit

Bereits als Baby war ich auffällig ruhig. Ich meldete mich kaum, wenn ich die Windel voll hatte oder ich bei Krankheit mich im Schlaf übergeben musste. Ich habe seelenruhig in meinem Erbrochenen weiter geschlafen.

Ab einem Alter von ca. einem Jahr war ich weiterhin auffällig ruhig. Mit Geburt meiner ein Jahr jüngeren Schwester legte ich eine Sprechpause meiner gerade erlernten Worte ein. Erst zusammen mit ihr fing ich wieder an.

Weiterhin war ich lange Zeit weder tags noch nachts trocken. Aufgrund dessen musste ich mich mehrfach div. körperlichen Untersuchungen (auch stationär) unterziehen. Doch nie wurde eine körperliche Ursache gefunden.

Mit 10 Jahren wurde ich dann von einem Tag auf den anderen immerhin tagsüber weitestgehend trocken. Es war der Wechsel von der Grund- zur Realschule. Daher gehe ich stark davon aus, dass es zumindest bis zu diesem Zeitpunkt psychisch bedingt war.

Erst mit 15 Jahren, als ich ein weiteres Mal in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie war, wurde ich aus irgendwelchen Gründen auch nachts plötzlich trocken.

Die Ärzte dort haben eine Vermutung angestellt, dass es evtl. mit den damals häufigen Harnwegsinfekten in Zusammenhang stand. Auch zu Beginn dieses Aufenthaltes hatte ich wieder einmal einen Harnwegsinfekt, dieser vorerst mit Antibiotikum und anschließend mit einer Langzeit-Prophylaxe behandelt wurde. In dieser Zeit kam es dann auch, dass ich nachts plötzlich trocken wurde.

Jedoch kann es auch hier gut möglich sein, dass es auch weiterhin noch psychisch bedingt war. Ich weiß den genauen Grund letztendlich nicht.

Heute habe ich nur noch sehr selten Probleme mit dem Einnässen. Und wenn, ist dies meist in sehr aufregenden Situationen (Angstsituationen). Dies ist dann wieder mehr psychosomatisch bedingt. Denke ich.

Im Weiteren lief ich im Kleinkindalter stets an der Wand oder der Hand meiner Eltern. Dies ist vermutlich auch ein Zeichen von Unsicherheit und Ängstlichkeit gewesen.

Auch war ich insbesondere im Grobmotorischen eher unbeholfen.

In meinem Verhalten war ich stets vorsichtig, zurückhaltend und ängstlich.

Im Kindergarten machte ich mich sehr von meiner jüngeren Schwester abhängig. So soll ich das erste Jahr nicht gesprochen haben. Erst als meine Schwester dazu kam, fing ich an zu sprechen.

Imgrunde weisen all diese Symptome/ Merkmale auf eine Depression in der Kindheit hin. Es ist also gut möglich, dass ich bereits damals schon erste depressive Phasen erlebte. Ob dies wirklich so war, kann ich natürlich nicht sagen und ich denke, im Nachhinein ist dies auch noch viel schwerer zu beurteilen – auch von professioneller Seite aus.

Und eigentlich ist dies auch überhaupt nicht wichtig. Es könnte höchstens für eine genauere heutige Diagnosestellung bzgl. Depressionen oder sogar Dysthymie interessant sein. Wobei ich mich heute viel mehr in der Dysthymie wiederfinde, als in der klassischen Depression – auch wenn ich die Diagnose der „mittelgradigen depressiven Episode“ bekommen habe.

Im Alter von 8 Jahren war ich aufgrund meiner Problematik mit dem Einnässen zum ersten Mal in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie. Dort wurde jedoch nichts von einer Depression festgestellt. Laut deren Diagnose handelte es sich um eine "Emotionale Störung mit Trotz und sozialer Ängstlichkeit".

„Aha, und diese soziale Ängstlichkeit hat sich in meinem Fall mit zunehmendem Alter zu einer sozialen Phobie (und ängstlichen-vermeidenden Persönlichkeitsstörung) entwickelt.“ – So kann es in Einzelfällen vorkommen, wie ich es im Internet gelesen habe.

Mittwoch, 14. November 2012

Nähe/ Berührung

Meine Betreuerin zeigte mir einen (vermutlich) "normalen" Abstand, wenn sich zwei Menschen unterhalten. Es war sehr schwer für mich auszuhalten. Ich machte immer wieder einen Schritt zurück.

Vielleicht fällt mir der vermeintlich normale Abstand deshalb so schwer, weil ich mich etwas eingeengt fühle. Ich gezwungen bin, dem anderen in die Augen zu schauen, da ich keine Ausweichmöglichkeiten mehr habe. Somit versteife/ erstarre ich.

Weiterhin zeigte sie mir, wie sich manche Menschen, die sich (sehr) nahestehen, auch unterhalten: Die Berührung war eigentlich sehr schön, doch wieder einmal fast gar nicht für mich auszuhalten. Ich löste mich immer wieder, drehte mich um und versteckte mein Gesicht hinter meinen Händen - ich musste weinen.

Wenn sie mich so berührte, wäre ich ihr am liebsten in die Arme "gefallen". In dieser Situation wurde mir (wieder einmal) bewusst, wie sehr ich mich eigentlich nach einer Umarmung (körperlicher Nähe) und dem Gefühl "sich fallen lassen zu können" sehne. Das Gefühl von Geborgenheit. Dieses Bewusstwerden stimmte mich traurig.

Zwar kann ich meine große Schwester mittlerweile relativ gut umarmen, doch ich glaube, auch hier kann ich mich noch nicht richtig fallen lassen. Außerdem wohnt sie einige Kilometer entfernt von mir.

Freitag, 24. August 2012

Sich der Angst stellen

Ich bin ja in der Reha-Maßnahme vom Arbeitsamt. Von diesem bekomme ich zwar Ausbildungsgeld, doch reicht dieses nicht aus, um meinen kompletten Lebensunterhalt davon zu finanzieren. Es reicht gerade einmal für meine monatlichen Fixkosten - übrig bleiben 15,00 €. So musste ich nun einen Antrag auf einen Zuschuss zu diesen Kosten stellen - heute war ich mit meiner ambulanten Betreuerin beim Sozialzentrum/ Jobcenter um diesen zu stellen.

Als wir auf dem Weg dorthin waren, war es noch soweit ok, doch sobald wir an der Eingangstür waren, kamen die ersten Ängste und Unsicherheiten in mir hoch. Ich blieb kurz stehen und fragte meine Betreuerin, was ich gleich überhaupt sagen sollte. Trotz ihrer Antwort, wäre ich am liebsten dort schon umgedreht.

Wir gingen die Treppen zum 1. OG hoch. Wir befanden uns in einer Art Vorflur - meine Angst stieg weiter an. Ich wurde immer unsicherer. Wäre am liebsten nicht hineingegangen.

Nun, als wir vor'm Empfangstresen standen und meine ambulante Betreuerin die ersten Worte sagte und dann ich mein Anliegen sagen musste, wäre ich fast in Tränen ausgebrochen. Mein Fluchtimpuls war ziemlich stark. Eine Gedankenleere herrschte in meinem Kopf. 
Wäre die Angst zu fliehen nicht so immens stark, wäre ich vermutlich spätestens dort einfach gegangen.
Nach gefühlten Minuten stummen und erstarrtem Dastehen, bekam ich doch noch mein Anliegen über die Lippen - unter großer Anspannung. Die Tränen standen mir auch hier (noch) in den Augen.
Doch als ich mein Anliegen aus mir herausbrachte merkte ich eine minimale Erleichterung. Dennoch war ich während der gesamten Situation noch relativ angespannt.

Als die Situation sich dann zum Ende neigte, stieg die Anspannung/ Unsicherheit nochmals kurz an, da ich nun nicht genau wusste, ob ich nun einfach gehen kann oder sie noch eine Frage an mich hat. Doch ging es relativ schnell vorüber, nachdem ich mich überwand mich zu verabschieden.
So verließen wir dann auch die Räumlichkeiten und ich konnte mich allmählich wieder etwas entspannen.

(Spannungs-/ Angstkurve: 0 - 7 - 10 - 9 - 10 - 5/4)

Fazit: Ich habe es geschafft! Trotzdem glaube ich, dass ich ohne meine ambulante Betreuerin dort nicht hineingegangen wäre. Wie gut, dass ich sie habe.



In der letzten Zeit merke ich immer mehr, wie ausgeprägt meine Ängste und Unsicherheiten doch eigentlich sind. Ich nehme vieles viel mehr wahr, beobachte mich selbst mehr als früher.
Noch vor 2 Jahren war ich in einer ähnlichen Situation, doch empfand ich nicht solche starken Gefühle. Vielmehr nahm ich mehr meine Körpersymptome wie das Schwitzen wahr - wenn dies nicht sogar stärker war als heute; in solchen Situationen.

Ich denke, es kann schon eine Wirkung des Antidepressivums sein, welches ich nun bekomme; denn: Bei einer Depression liegt quasi eine Decke über den Gefühlen und dämmt sie (stark) ein. Dies war bei mir vermutlich der Fall. So nahm ich vieles gefühlsmäßig nicht so wahr. Das Antidepressivum lockert diese Decke nun etwas und so kommen auch mehr meine Gefühle hervor. Meist sind es jedoch "nur" die negativen Gefühle, die ich wahrnehme. Selten empfinde ich auch mal positive Gefühle und wenn, dann kann ich diese nicht zulassen :-/.

Donnerstag, 23. August 2012

So langsam beginnt es

Heute hatte ich meine 7. Therapiesitzung. Wir sprachen (noch einmal) darüber, ob ich die Konfrontation wirklich machen möchte: Ja, ich will - auch wenn es mit starken Ängsten verbunden ist und es somit sehr schwierig werden wird! Es ist alles ziemlich komplex und sehr miteinander verknüpft. Gerade auch, weil ich ein sehr ausgeprägtes Sicherheitsverhalten (= aktives Vermeidungsverhalten) habe und es nicht ausreichend ist, nur eine dieser Verhaltensweisen bei Übungen zu unterlassen. Somit steigt die Angst (vorerst) erst recht an - insbesondere die Angst zu hyperventilieren, wenn ich dies Sicherheitsverhalten komplett unterlasse. O.O

In der nächsten Sitzung ist es dann soweit und mir steht die erste Expositionsübung (kein Sicherheitsverhalten, kein "Weiß nicht"/ "Keine Ahnung" während eines anfangs eher allgemein gehaltenen Gesprächsthemas - im Verlauf könnte es auch persönlicher werden; vor Therapeutin gehen und den Therapieraum betreten inkl. Tür öffnen) bevor. -- In drei Wochen - leider hatte sie wieder einmal keinen früheren Termin, da es dieses Mal auch eine Doppelstunde sein wird. *Angst steigt nochmals an*. Die  darauffolgende ist jedoch dann nur eine Woche später - auch, weil es dann so eine Art Nachbesprechung sein wird. Ich würde mir aber weiterhin im Allgemeinen wöchentliche Sitzungen wünschen. Gerade jetzt, wo die Übungen langsam beginnen. 

Ahh, drei Wochen (na ja, 2 1/2) Zeit zum Grübeln. Ablenkung ist angesagt. Hoffentlich grübel ich nicht allzu viel darüber nach.

Uhh, nun muss ich es nur irgendwie hinbekommen, die Termine mit meiner Maßnahme zu vereinen. Ich muss die Mitarbeiter dort ansprechen. Arghs. Ich hoffe, das lässt sich miteinander vereinen - auch wenn ich in wenigen Wochen ggf. im Praktikum bin.

Hausaufgabe zur nächsten Sitzung: "Koordinatenkreuz" für den Angstverlauf während der Expositionsübung vorbereiten.

Freitag, 10. August 2012

Die leuchtende Lok - Ein Traum in der Nacht vom 08.08. zum 09.08.2012


Meine ehemalige Betreuerin und ich kamen aus einem Gebäude von irgendeinem Termin. Der Weg führte direkt auf eine befahrene Straße zu. Meine ehemalige Betreuerin ist ohne wirklich nachzudenken und auf den Verkehr zu achten über die Straße gegangen; bzw. wollte dies tun. Etwas panisch konnte ich sie jedoch noch rechtzeitig vor vorbeifahrenden Autos warnen und sie darauf aufmerksam machen, dass es auf der anderen Straßenseite überhaupt keinen Gehweg gibt. So blieb sie erst einmal verängstigt in der Straßenmitte stehen und wartete bis die Autos alle vorbei waren.

Als sie wieder auf meiner Seite war, gingen wir den Gehweg entlang. Es kamen uns zwei merkwürdige Typen entgegen gelaufen. Der eine meinte (zu mir): „Da ist ja die süße Maus.“ Ich habe dies nicht für ernst genommen. Ich dachte, die wollen mich doch nur verarschen. Er wollte mich damit doch bestimmt nur ärgern.

Wenige Meter vor uns sah ich eine kleine, leuchtende Lok* auf dem Gehweg stehen. Meine ambulante Betreuerin ging wenige Schritte vor mir. Sie ging an der Lok vorbei. Es passierte nichts. Dann kam ich zu dieser Lok und als ich direkt neben ihr war, explodierte sie plötzlich. Es sprengte mich in die Luft. Ich fiel nach hinten um. Ich hielt meine linke Wange. Ich lag reglos auf dem Boden.

Sekunden passierte nichts.

Dann nahm ich einige Ersthelfer um mich herum wahr. Es waren 1-2 Zivilpersonen, sowie 1-2 Bauarbeiter. Ebenso lag meine ambulante Betreuerin neben mir. Ich nahm meine Umgebung sehr verschwommen und wackelig wahr.

*die, wie sich später herausstellte, ein Silvester-Böller war

Samstag, 4. August 2012

Die Angst zu hyperventilieren

In meiner letzten Therapiestunde (die 6. [03. August]) haben wir nochmals  meine Übungsleiter durchgesprochen und wie sich die Angststärke verhält, wenn man das Sicherheitsverhalten weiterhin anwendet und wenn man sich immer wieder ohne das Sicherheitsverhalten mit den Situationen konfrontiert.

Zuvor habe ich aus der vorigen Therapiestunde die Aufgabe bekommen, diese nochmals weiter zu be- bzw. überarbeiten. So habe ich diese auf ein Flipchart-Papier übertragen.

Während der Überlegung der einzelnen Situationen und der Einschätzung der Angststärke, kamen in mir Horrorvorstellungen auf, was mit mir passieren könnte, wenn ich das aktive Vermeidungsverhalten unterlasse.

(Aus dem aktiven Vermeidungsverhalten besteht meine erste Übungsleiter überwiegend. Es sind vorerst Situationen, die ich innerhalb der Therapiestunden üben kann, da mir bereits diese sehr viel Angst machen und somit sehr schwierig sind.)

Ich habe Angst zu hyperventilieren, dadurch umzukippen oder dass mein Körper anderweitig extrem reagiert, wenn ich das aktive Vermeidungsverhalten (Sicherheitsverhalten) unterlasse.

Meine Therapeutin machte mir daraufhin den Vorschlag, dass wir einmal in der Therapiestunde gemeinsam hyperventilieren O.O Nicht, dass es mir nur sehr unangenehm wäre, es absichtlich zu provozieren... Ich habe davor irgendwie auch schon Angst. Auch Angst bzgl. meiner Therapeutin. Ok, eigentlich sagt mir mein Kopf, dass sie schon weiß, was sie tut und es nicht tun würde, wenn sie damit nicht umgehen kann, aber mein Gefühl sagt mir etwas anderes.

Nun, ich habe bis zum nächsten Mal die Aufgabe bekommen, mir darüber nochmals Gedanken zu machen, ob ich es machen möchte. Zusätzlich soll ich mir nochmals Gedanken darüber machen, ob ich die Therapie wirklich machen möchte. Das Für und Wider durchgehen. - Ja, ich will!

Die nächste Sitzung ist leider erst wieder in 3 Wochen. Eigentlich wollte sie einen Termin in 14 Tagen machen, doch dann blickte sie in ihren Terminkalender und bemerkte, dass sie den frühestens Termin erst wieder in 3 Wochen hat O.O
So habe ich mich erst recht nicht getraut, meinen Wunsch zu äußern, wöchentliche Termine zu vereinbaren.

Derzeit sind die Termine noch sehr unregelmäßig. Ich hoffe, es pendelt sich spätestens dann ein, wenn die Konfrontation (die Übungen) beginnen. Ich hoffe auch, dass ich es doch noch schaffe, meinen Wunsch zu äußern.
Wenn die Termine weiterhin in so unregelmäßigen bzw. großen Abständen sind, ist meine Entscheidung für einen erneuten stationären Aufenthalt vermutlich schon sicher. Über dieses Thema sprechen wir jedoch auch nochmal in der 10. Sitzung.

Donnerstag, 2. August 2012

Der Beginn einer Beschäftigung - Teil 2

Nachdem ich den ersten Tag überstanden habe, begann heute der zweite. Es sollte nicht viel anders werden.

Ich begann meine Matheaufgaben vom Vortag zu beenden. Zwischenzeitlich kam meine Ansprechpartnerin zu mir, um mit mir das Erstgespräch zu führen. Doch dann war erst einmal Pause und anschließend fuhr sie zu einem anderen Teilnehmer in den Praktikumsbetrieb um dort ein Gespräch zu führen. Eigentlich sollte mein Gespräch dann am Nachmittag fortgesetzt werden. Doch so kam es nicht.

Nachdem ich mit meinen Matheaufgaben fertig war, begann ich dann mit Worträtseln und Soduko, die ich zuvor bekommen habe. Als ich dann auch mit diesen fertig war, begann ich ein "Mandala" (Gliederkette) auszumalen. Wie ich später von meiner Ansprechpartnerin erfahren habe, sollte man diese einzelnen Glieder auch noch zählen. Aha :o.

Na ja, dann ca. eine halbe Stunde vor Feierabend sollte ich dann noch etwas anderes machen - zusammen mit einem Teilnehmer einer anderen Maßnahme. Ich weiß nicht, wie ich das beschreiben soll: Uns wurden am PC Situationen vorgespielt und zu diesen sollten wir überlegen, wie wir darauf reagieren würden. Anschließend sollten wir dann noch einschätzen, wie unser "Gesprächspartner" darauf emotional vermutlich reagiert hätte.

Ach ja, zudem musste ich am Vormittag schon einmal einen Wochenbericht ausfüllen. Na ja, soweit es denn schon ging :). Im Laufe des Tages habe ich dann für den heutigen Tag auch bereits die getanen Dinge eingetragen. Für diese Berichte gab es nochmals einen Ordner - diesen musste ich jedoch nicht selbst beschriften etc.

Am Freitag habe ich frei. Das Erstgespräch führen wir  dann vermutlich am Montag fort. Ich hoffe, es bleibt dabei.

Bisheriges Fazit: Es kommt mir so vor, als laufe ich nur so nebenbei. Als sei ich (noch) nicht so wichtig. Es kommt mir dort von deren Seite doch eher sehr unorganisiert und verplant vor. Ich fühle mich dort nicht wohl. Ich habe das Gefühl, es ist evtl. doch nicht das Richtige für mich. Noch nicht. Ich habe zudem etwas Angst, ich könnte mir selbst zu viel zumuten. Aus psychischer Sicht gesehen.

Mittwoch, 1. August 2012

Der Beginn einer Beschäftigung - Teil 1

Im Anschluss an meinen stationären Aufenthalt in der psychosomatischen Klinik in Bad Bramstedt war ich (fast) ein Jahr krankgeschrieben. Nichts desto trotz war ich nicht untätig und mit dem Arbeitsamt in Kontakt. Da ich mir einen Arbeitsplatz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt (ohne besondere Unterstützung) noch nicht zutraue, musste ich erneut eine ärztliche Untersuchung und ein psychologisches Gutachten der Arbeitsagentur über mich ergehen lassen. So kam es, dass ich nun doch wieder über die Reha-Abteilung in die Vermittlung aufgenommen werden konnte.
Nachdem es Monate bis zur Eröffnung des psychologischen Gutachtens dauerte, ich im Anschluss einen Reha-Antrag stellen konnte, ging es plötzlich alles Schlag auf Schlag. Eigentlich ging mir das alles viel zu schnell. Anderthalb Wochen nach Antragstellung bekam ich bereits einen Termin bei meiner jetzigen Reha-Beraterin. Eine Woche später bekam ich schon eine Einladung zum Vorgespräch der Maßnahme, in der ich seit dem 01. August nun bin. Sie nennt sich "Unterstützte Beschäftigung (UB)" und zielt anhand von Praktika und anderen internen Möglichkeiten auf einen festen Arbeitsvertrag auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ab. Diese Maßnahme geht maximal 2 Jahre.
Insgesamt sind von Antragstellung bis zum Beginn der Maßnahme ca. 3 1/2 Wochen vergangen.

Nun aber möchte ich ein wenig über meine ersten Eindrücke der Maßnahme berichten:

Der erste Tag hinterließ bei mir einen ziemlich merkwürdigen Eindruck. Teils kam es mir sehr unorganisiert und als hätten sie von ihrem eigenen (Computer-)System keine Ahnung vor.

Zwei weitere Teilnehmer, die heute ihren Projekttag dort in den Räumlichkeiten der Maßnahme hatten und schon länger dabei sind, waren am Nachmittag Minigolf spielen. Anschließend sollte einer der Teilnehmer irgendein Spiel am PC spielen, was aber nicht so funktionierte. Insgesamt kam mir das Ganze bei den beiden zum Teil sehr spielerisch vor.
Inwiefern haben solche "Maßnahmen" etwas mit Arbeit zu tun? Inwiefern soll es einen in bestimmten Bereichen für die Arbeit stärken?

Nach einer kurzen Einführung in die Maßnahme musste ich hingegen  mich selbst bildlich darstellen und meine Stärken und Schwächen hinzufügen. Im Anschluss bekam ich Matheaufgaben und ich sollte mir einen Ordner "zusammenstellen".

Bisher war es sehr ruhig und nur wenig Teilnehmer dort. Am kommenden Tag sollte ich sogar ganz alleine dort anwesend sein, da die anderen im Praktikum oder Urlaub waren. Am heutigen Tage war ich mehrmals den Tränen nahe. Vermutlich aufgrund meiner starken Unsicherheit und auch Ängste; aber auch, weil es mir alles so merkwürdig vorkam und ich mich etwas fehl am Platz fühlte.

Na ja, mal gucken wie es die nächsten Tage so läuft und auch dann, wenn ich ins Praktikum gehe. Mal sehen, ob es wirklich etwas  für mich ist. Ob ich mir nicht doch zuviel zumute.