Donnerstag, 9. Oktober 2014

Zum Nachdenken: Der Selbstwert

(oder auch: Was ich bereits in der Therapie gelernt habe - zumindest in der Theorie.)

Es gibt kein Selbstwertgefühl, denn unser Selbstwert kann sowohl mit negativen als auch positiven Gefühlen in Verbindung stehen. Werten wir uns auf, so freuen wir uns z. B. über ein bestimmtes Ereignis und fühlen uns deshalb gut. Werten wir uns ab, so haben wir z. B. Angst vor einer Situation, die wir peinlich fänden, und deren vermuteten Folgen und fühlen uns deshalb schlecht. So beruht Scham stets auf einem Selbstwertproblem.

Gefühle hingegen sind entweder stets positiv oder stets negativ; aber sie variieren niemals zwischen ein und derselben dieser beiden Optionen.

Der Selbstwert eines Menschen lässt sich nicht angemessen an einer Sache/ Macke oder Eigenschaft feststellen. Das gesamte "Paket" zählt.

Strebt ihr einen positiven Selbstwert an, so müsst ihr euch doch stets vor einem Selbstwertverlust fürchten. Dies führt euch langfristig ebenso in emotionale Krisen oder gar psychische Probleme, wie ihr sie bereits aufgrund eurer bisherigen stetigen Selbstabwertung (oder -aufwertung) kennt. Und diese unnötigen emotionalen Turbulenzen wollt ihr doch nicht mehr, oder?

Also: Verabschiedet euch von diesem verdammten Selbstwertkonstrukt!

Ein Beispiel: Stellt euch vor, vor euch steht eine super leckere Erdbeertorte. "Aber was ist da!? Eine faule Erdbeere! Das geht gar nicht. Die ganze Torte ist nun hinüber :(." - So die bisherige Denkweise eines Menschen mit Selbstwertproblem.

"Aber dies stimmt doch gar nicht. Entfernt doch dieses eine Stück der Torte und genießt den Rest derselbigen ;)." - So wäre eine angemessene Denkweise, um sich nicht in unnötige emotionale und psychische Probleme zu stürzen.

Natürlich könnt ihr euer Missgeschick, oder weswegen ihr euch auch immer unangemessen auf- oder abwertet, nicht einfach entfernen. Aber ihr könnt lernen, damit anders umzugehen; lernen, dies zu tolerieren oder akzeptieren. Ihr könnt umlernen!

Leider ist dies ein langer Prozess, und erfordert viel Ausdauer und Geduld, aber wenn ihr wirklich wollt, könnt ihr es schaffen! Und auch Rückschläge gehören dazu. Lasst euch von diesen nur nicht entmutigen. Bleibt stark und sucht euch entsprechende Unterstützung, wenn ihr es alleine nicht schafft.

Das Selbstwertproblem ist eine der drei Ursachen, weshalb wir heute unter emotionalen oder gar psychischen Problemen leiden. Und es ist vermutlich das, was die meisten mit sozialen Ängsten und andere psychisch Erkrankte betrifft.

Weiterhin gibt es noch die geringe Frustrationstoleranz, die auch bei mir immer wieder mitschwingt, sowie Probleme aufgrund von existenziellen Befürchtungen (z. B. "Wenn ich das tue, dann sterbe ich.").

Natürlich ist es auch möglich, mehrere dieser Ursachen bei sich zu entlarven. Sieht man ja an meinem  Beispiel: Selbstwertproblem + Probleme aufgrund geringer Frustrationstoleranz.

Dienstag, 30. September 2014

Rückblick: Okt. 2013 bis Sept. 2014

Nun habe ich mal wieder etwa ein Jahr nicht in meinem Blog zu Wort gemeldet. In der Zwischenzeit ist einiges passiert.

So war ich von Ende Oktober 2013 bis Mitte Dezember 2013 erneut in der psychosomatischen Klinik in Bad Bramstedt. Es waren sieben Wochen; eigentlich waren acht Wochen geplant, doch da der Entlassungstag dann genau auf den 24.12. gefallen wäre, und sie da keine Leute entlassen, wurde mir quasi eine Woche geklaut. Ich konnte mich damit einfach nicht anfreunden. Es ärgerte mich stets. Meine Bemühungen um eine Verlängerung um eine (bzw. zwei Wochen) haben nichts gebracht. Ich konnte denen nicht überzeugend vermitteln, warum ich denn noch zwei Wochen länger bräuchte. Dennoch hat mich der Klinikaufenthalt zumindest mehr gefordert, und war somit auch anstrengender, als mein erster Aufenthalt dort. Ich brauchte zwar viele Anstöße und immer wiederkehrende Gespräche, bzgl. des neuen Weges; doch konnte ich mich irgendwie dazu durchringen, z. B. mein Tuch ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr zu tragen. Anfangs war es verdammt schwierig und ich war versucht, mich anderweitig zu verstecken. Ich dachte auch oft daran, es doch wieder anzuziehen. Doch ich blieb stark, und ließ es sein; außer wenn ich draußen unterwegs war, denn dort war es kalt bis kühl. Zu solchen Zwecken war/ ist es erlaubt. Auch konnte ich das Tuch nachhaltig im Alltag ablegen. So trug ich diesen Sommer zum ersten Mal wieder kein Tuch. Weiterhin wurde ich medikamentös umgestellt. Auch hier konnte ich zumindest bzgl. Quetiapin eine deutliche Unterstützung merken; bereits wenige Tage nach der Einnahme in der Klinik hatte ich schon den Eindruck, als ob ich eine Situation nur so gut geschafft habe, weil ich dieses Medikament bekomme. Und auch im Alltag konnte ich in einigen Situationen feststellen, dass ich deutlich ruhiger war und nicht so schnell ins Schwitzen kam, wie ich es sonst von mir kannte.

Seit Februar 2014 habe ich mich bei meinem ambulanten Therapeuten auf eine Gruppentherapie eingelassen. Es war gerade anfangs mit sehr viel Unsicherheit und Befürchtungen verbunden, doch durch langsames heranfragen und der Absicherung, dass ich jederzeit auch zurück zu reinen Einzeltherapie wechseln kann, habe ich diesen Schritt gewagt. Und ich wurde nicht enttäuscht. Bei ihm ist die Gruppentherapie quasi auch wie ein Einzel; nur eben in der Gruppe. Wir sind insgesamt vier Patienten. Die Sitzung dauert 100 Minuten. Jeder Patient bekommt seine Zeit und kann da sein Thema/ ABC(Z) besprechen. Die anderen Patienten können ggf. dadurch von den anderen noch lernen.

Im weiteren bin ich weiterhin noch durchgängig arbeitsunfähig. Ich plane jedoch, in eine Tagesstätte zu gehen. Bereits im Frühjahr hatte ich erste Probetage. Es ist leider noch ein elendiger Weg durch den Behördendschungel, um hoffentlich auch die offiziellen Voraussetzungen für diese Tagesstätte zu erfüllen. So musste ich nun einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente stellen. Dies fiel mir gar nicht so leicht, mich für diesen Schritt zu entscheiden. Doch ich tat es und sag(t)e mir: "Ich tue es, damit ich in die Tagesstätte kann. Ich versuche das Wort "Rente" einfach auszublenden." In der Wartezeit kann ich jedoch weiterhin noch alle 14 Tage zu einem Spielenachmittag vorbeikommen.

Dienstag, 10. September 2013

Stationärer Klinikaufenthalt/ Vorgespräch

Ich will "klettern". Ich weiß aber nicht, ob ich es schaffe. Ich habe Angst, es nicht zu schaffen :'(. Ich weiß nicht, ob ich "klettern" kann. Ich will es aber versuchen. Ich will es schaffen.

(Hatte heute ein Vorgespräch in einer psychosomatischen Klinik.)

Dienstag, 13. August 2013

Rückblick

Seit April/ Mai 2013 konnte ich meine Therapie nun fortsetzen; nachdem meine vorige Therapeutin mich Ende letzten Jahres aufgrund ihrer "beruflichen Umorientierung" an ihren Kollegen übergab. Anfangs war ich sehr schockiert; doch mittlerweile bin ich sehr zufrieden mit diesem Wechsel. Ich denke, es ist gut so wie es gekommen ist.

Denn mein jetziger Therapeut hat einen etwas anderen Ansatz, bei dem ich denke, dass es mich eher weiterbringen kann. Er beginnt mit dem "Erforschen" der Ursachen meiner sozialen Ängste; um diese Ursachen im späteren Verlauf dann zu ändern. Er arbeitet nach dem Buch "Im Gefühlsdschungel - Emotionale Krisen verstehen und bewältigen". Nach seiner Empfehlung habe ich mich dazu entschlossen, es mir zu kaufen und ich bereue es bis jetzt keineswegs. Zumindest als Therapiebegleitbuch ist es sehr gut. Er hat sogar bei dem Autor dieses Buches gelernt :).

Das Erforschen meiner gedanklichen Ursachen lässt mich immer wieder an meine Grenzen stoßen und sehr unangenehme Gefühle/ Gedanken in mir aufkeimen; mit denen ich keinen vernünftigen Umgang kenne/ finde.

Im Mai habe ich mich für einen erneuten stationären Aufenthalt in der Schön Klinik Bad Bramstedt angemeldet. Ich hoffe, ich werde im September/ Oktober dort aufgenommen.

Die berufliche Reha-Maßnahme habe ich in Absprache zum 31. Mai vorerst beendet; da es nicht so lief... seitdem bin ich vorerst krankgeschrieben; denn sonst würde es wohl mit dem Jobcenter Schwierigkeiten geben.

Die letzten Tage bin ich außerdem öfter eher depressiv gestimmt und zudem auch sehr schnell frustriert/ gereizt.